zum Seitenanfang zum Seitenanfang
Fortsetzung folgt…
Die Masse der Erde beläuft sich auf 5.977.000.000.000.000.000.000 Tonnen (5,977 Trilliarden Tonnen). Damit wir uns die Relationen besser vorstellen können, verkleinern wir diesen Betrag einfach auf sechs Kilogramm. In diesem Maßstab würde der Mond, könnte man ihn auf eine irdische Waage legen, etwas über 70 Gramm wiegen (genau: 73,5 g). Die Sonne hingegen würde eine handelsübliche Haushaltswaage im Badezimmer zerquetschen mit ihren fast zweitausend Tonnen (exakt: 1.989 t). Das bedeutet: Die Masse unseres Planeten ist rund 81mal größer als jene des Mondes; die Masse der Sonne andererseits über dreihundertdreißigtausendmal größer als jene der Erde (genaues Verhältnis Erde - Mond: 81,32 zu 1. Die Relation Erde - Sonne beträgt 1 zu 332.775,64). Der kleinste Abstand der Erde von der Sonne wird Anfang Januar eines jeden Jahres erreicht - die Jahreszeiten auf unserem Planeten haben nichts mit der Distanz zwischen den beiden Himmelskörpern zu tun! - und beträgt 147,1 Millionen Kilometer; die größte Entfernung kommt Anfang Juli zustande, sie beziffert sich auf 152,1 Millionen Kilometer.
Vergleich zwischen Sonne, Erde und Mond in einigen Zahlen
In der Illustration links ist der Raum zwischen der Erde und dem Mond als zyanfarbener Kreis dargestellt. In der unteren Hälfte der Grafik (unter dem grauen Balken) ist diese gesamte Sphäre des Erde-Mond-Systems in Relation zur Sonne gezeigt, wieder im richtigen Maßstab - sowohl was die Größen als auch was die Distanz betrifft. Wohlgemerkt: Die kleine cyanfarbene Scheibe links in der zweiten Bildhälfte bildet das gesamte Volumen des Erde- Mond-Systems ab, nicht nur die Erde selbst. Nur innerhalb dieser winzigen Scheibe sind bis zum heutigen Tage Menschen geflogen. Wer also hinsichtlich der bemannten Raumfahrt immer noch von der „Eroberung des Weltraums“ redet, weiß nicht, wovon er spricht!
Erde-Mond-System im Vergleich zur Sonne Distanz Erde - Mond - Mars
Liegt die Venus näher zur Sonne als die Erde, so ist der Mars der weiter nach außen gelegene Nachbar unseres Planeten. Er ist, nach Mond und Venus, von allen großen Himmelskörpern derjenige, der sich uns am drittnächsten annähern kann. (Begegnungen der Erde mit bestimmten kleinen Objekten wie Asteroiden oder Kometen sind in aller Regel nur jeweils einmalige Ausnahmen oder solche, die sich nur alle Jahrzehnte oder Jahrhunderte wiederholen.) Die in der folgenden Grafik angegebene Entfernung von 56 Millionen Kilometern zwischen dem Roten Planeten und der Erde ist allerdings eine sehr seltene Nahdistanz; erst Mitte September 2035 wird wieder eine derartige Annäherung (nämlich mit 56,9 Millionen Kilometern) zu verzeichnen sein. Meistens beträgt die Strecke zwischen Erde und Mars, wenn sie sich auf ihren jeweils autonomen Umlaufbahnen um die Sonne gegenseitig nähern, zwischen rund 62 und 100 Millionen Kilometern. Der Mars kann sich indes auch, wenn er - von uns aus gesehen - hinter der Sonne (in sogenannter oberer Konjunktion) steht, bis auf 401 Millionen Kilometer von der Erde entfernen. Das folgende Bild zeigt, dass uns vom Roten Planeten eine mindestens rund einhundertfünfzig Mal größere räumliche Tiefe trennt als vom Mond. Nehmen wir an, eine Autobahn würde unseren Planeten mit dem Mars verbinden. Eine derartige Straße durch den Weltraum ist natürlich eine in der Praxis nicht verwirklichbare Phantasievorstellung; das Gedankenexperiment dient nur zur Verdeutlichung der gewaltigen Entfernung. Wir würden uns also mit einem guten Freund in einem Campingbus auf den Weg machen. Jeder sitzt jeweils zehn Stunden durchgehend am Steuer, während der andere schläft; vier Stunden pro Tag halten wir beide uns in einer der modernen Autobahnraststätten auf, die alle tausend Kilometer am Straßenrand liegen und gutes Essen sowie Möglichkeiten für die Körperpflege bieten. Wir plaudern ein bisschen, dann fahren wir weiter. Unser moderner Caravan kann problemlos 180 Kilometer pro Stunde fahren, diese Höchstgeschwindigkeit nutzen wir auch aus. Wie lange würden wir brauchen, um beim Mars anzukommen, wenn dieser sich in nächster Entfernung zur Erde befände? Die Antwort: Ungefähr 43 Jahre.
Distanz Erde - Mond - Venus
Die Grafik oben ist in zwei Hälften unterteilt (gekennzeichnet mit römisch I und römisch II). Die erste Ebene zeigt maßstabsgerecht unseren Planeten (links) sowie, als kleine graubraune Scheibe ganz rechts, seinen natürlichen Trabanten, den Mond - sowie deren mittlere Entfernung voneinander. Diese Distanz ist in der unteren Hälfte auf eine Strecke von 4 Millionen Kilometern gelegt, ein Bereich, der schon im interplanetaren Raum liegt. Einige kosmische Kleinkörper wie Asteroiden und Kometen dringen manchmal - allerdings selten - in diese nahe Sphäre um das Erde-Mond-System ein. Menschen selbst sind noch nie so weit - also einige Millionen Kilometer - in den Weltraum hinaus geflogen; die hier hellblau gezeigte Strecke zwischen Erde und Mond ist der längste Weg, den bemannte Raumschiffe bisher zurückgelegt haben. Im folgenden Bild illustriert der gelbe Balken die nächste Entfernung zwischen der Erde und ihrem Nachbarplaneten Venus, der uns oft als Morgen- bzw. Abend“stern“ erscheint. Erde und Venus umrunden die Sonne auf eigenständigen Bahnen, nicht häufig kommen sie sich auf nur rund 40 Millionen Kilometer nah. Die Distanz zwischen Erde und Mond ist, wie in der oberen Grafik, als hellblauer Balken visualisiert. Er liegt maßstabsgerecht (der obere der drei Balken, am äußersten linken Rand) auf der Strecke von 4 Millionen Kilometern (violetter Balken) sowie auf der Entfernung Erde - Venus an. Wir sehen hier augenfällig den bereits riesigen Abgrund demonstriert, der uns schon von unserem Nachbarplaneten trennt. Man vergrößere das Bild einmal und versenke sich für einige Augenblicke in die Betrachtung, dass sich die gesamte Geschichte des Lebens und der menschlichen Historie auf unserem blauen Planeten abgespielt hat, der nur in der oberen Grafik noch als kleine Murmel beziehungsweise, nämlich auf Ebene II, als Punkt maßstabsgerecht abgebildet werden kann. Im unteren Bild würde jede Darstellung der Planeten und des Mondes als sichtbare Kugeln die Größen- und Distanzverhältnisse völlig verzerren; daran kranken fast alle Illustrationen des Sonnensystems in Büchern oder auf Webseiten: die Planeten drängen sich dort meist als Kugeln dicht nebeneinander auf ihren Umlaufbahnen um die Sonne. Man vergegenwärtige sich weiter, dass es rund drei Tage dauert, bis ein bemanntes Raumschiff, nachdem es die Erde verlassen hat, am Erdtrabanten angelangt ist - und schaue sich die entsprechende hellblaue Strecke in Relation zur nächsten Venusentfernung an!
Distanz Erde - Mond - 4 Millionen Kilometer
Die mittlere Entfernung zwischen Erde und Mond beträgt 384.403 Kilometer. Da der Erdtrabant aber nicht auf einer exakten Kreis-, sondern auf einer recht elliptischen Bahn unseren Planeten umläuft, schwankt sein Abstand beträchtlich. Die maximale Erdferne (das sogenannte „Apogäum“) liegt in 406.700 Kilometern, die nächste Annäherung an die Erde („Perigäum“) in 356.400 Kilometern. Die Periode von Vollmond zu Vollmond nennt man einen synodischen Monat: Sie erstreckt sich über 29,530589 Tage - das entspricht 29 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Näheres zum System Erde - Mond in einem späteren Abschnitt. Auf dem obigen Bild sind die Größen- und Abstandsproportionen in akkuratem Verhältnis wiedergegeben. Die Spitze des roten Pfeils zeigt auf die Entfernung der Internationalen Raumstation in ihrem Orbit um die Erde, jene des grünen Pfeils auf die geostationäre Umlaufbahn.
Entfernung zwischen Erde und Mond
Umkreist ein Satellit (beziehungsweise ein Raumschiff) die Erde von Westen nach Osten auf einer kreisförmigen Umlaufbahn in einer Höhe von 35.786 Kilometer, so befindet er sich auf einem sogenannten geostationären Orbit. Seine Umlaufzeit um den Planeten stimmt dann genau mit der Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde um ihre eigene Achse überein; für einen Beobachter am Boden scheint er stillzustehen. Die Neigung seiner Bahn - die Inklination - zum Äquator muss genau Null Grad betragen, er muss sich also exakt über dem Äquator bewegen. Seine Geschwindigkeit beträgt in diesem Falle 11.070 Kilometer pro Stunde, in jeder Sekunde legt er etwas über drei Kilometer zurück. Vom Erdmittelpunkt ist er 42.164 Kilometer entfernt. Schon im Jahr 1929 hat der österreichische Raumfahrtpionier und -visionär Hermann Noordung auf Seite 98 seines Buches „Das Problem der Befahrung des Weltraums“ geschrieben: „Richten wir es nun außerdem noch so ein, daß die Umlaufbahn genau in der Äquatorebene liegt, dann würde der Körper <d. h. ein Satellit> dauernd über ein und demselben Äquatorpunkte stehen <…> Er würde dann gleichsam die Spitze eines ungeheuer hohen Turmes bilden, welcher selbst jedoch gar nicht vorhanden, dessen Tragkraft aber ersetzt wäre durch die Wirkung der Fliehkraft.“ Ein sehr schönes Bild! Heute sind Kommunikations- und Fernsehsatelliten im geostationären Orbit längst Wirklichkeit. Es war also Noordung, nicht Arthur C. Clarke, wie allgemein angenommen wird, der diese Idee als erster Mensch hatte. Die Spitze des grünen Pfeiles auf dem obigen Bild weist genau auf die genannte Distanz von 35.786 Kilometer, sie übertrifft bereits bei weitem die Höhe, in der die ISS fliegt (Spitze des roten Pfeiles). Die Erde ist auf diesem Foto von Apollo 13 mit dem Nordpol zum Beobachter geneigt; dieser sieht deshalb den Äquator sich bogenförmig zu ihm hin erstrecken. Es erscheint also nur so, als stünde der grüne Pfeil über dem nordamerikanischen Kontinent, nicht über dem Äquator. Auf dem Referenzbild rechts ist der Nordpol mit einem blauen Punkt gekennzeichnet. Bei der Grafik handelt es sich um einen Screenshot aus dem Astronomieprogramm „Celestia“.
Erde mit Gradnetz Erde mit Hinweis auf Flugbahn ISS und geostationäre Umlaufbahn
Der rosafabene Punkt links neben der Erdkugel symbolisiert auf nebenstehendem Bild sowohl Gemini 11 als auch Polaris Dawn, zwei Raumschiffe, die sich von allen bemannten Flugkörpern am weitesten in einer Umlaufbahn von der Erde entfernt haben. Nur die Astronauten der Apollo-Missionen, insgesamt 24 Menschen, sowie des Artemis 2- Fluges (4 Menschen), die zum Mond geflogen sind, haben sich in einer größeren Distanz von der Erde aufgehalten: in einer deutlich größeren Entfernung allerdings; sie waren fast 300mal weiter von unserem Blauen Planeten weg. Die beiden Astronauten von Gemini 11, Charles „Pete“ Conrad und Richard Gordon, haben vor sechzig Jahren, im September 1966, den ersten Entfernungsrekord aufgestellt. Über dem Indischen Ozean stieg ihre Raumkapsel 1.374 Kilometer hoch. Im September 2024 flog die touristische Mission Polaris Dawn eine geringe Strecke weiter als Gemini 11 von der Erde weg, nämlich rund 1.400 Kilometer. Der rote Punkt schräg unterhalb des rosafarbenen zeigt wieder die ISS auf ihrem Orbit. Alle Distanzen werden hier wie üblich in richtiger Relation zur Größe der Erde gezeigt.
Halbe Erdkugel mit ISS, Gemini 11 und Polaris Dawn
Links: Die beiden grauen Pfeile zeigen wieder auf die Städte Hamburg (oben) sowie Tunis (unten). Der rote Pfeil weist auf die Internationale Raumstation (ISS) hin; ihre Distanz zur Erde ist im richtigen Maßstab zur hier nur ausschnittsweise gezeigten Größe der Erdkugel aufgetragen. Rechts: Der rote Punkt auf der Zwei-Uhr-Position neben unserem Blauen Planeten stellt erneut die ISS dar - ebenfalls im maßstäblich korrekten Abstand zur Erde. Wie man hier bereits deutlich erkennt - und die folgenden Grafiken werden es noch augenfälliger zeigen - kann keine Rede davon sein, dass sich die ISS durch „die Weiten des Weltraums“ bewegt, während sie in etwa 400 Kilometern Höhe die Erde umkreist. Ihre Geschwindigkeit im Orbit beträgt übrigens circa 28.000 Kilometer pro Stunde. In diesem Tempo ist sie gerade schnell genug, damit sie ständig um die Erde herum fallen kann. Wäre sie langsamer, würde sie auf die Oberfläche hinunterstürzen - so wie ein Geschoss, welches mit 1.000 Kilometern pro Stunde den Lauf eines Gewehrs verlässt und kein Ziel trifft, nach einigen Kilometern auf den Boden fällt (in Erdnähe zusätzlich noch abgebremst infolge der Luftreibung).
Ausschnitt der Erdkugel mit ISS Ausschnitt Erdkugel mit Hamburg und Tunis sowie ISS
Die linke Grafik zeigt erneut die wirkliche Krümmung der Erdoberfläche zwischen Ulm und Hamburg. Hier ist nun nicht nur die maßstabsgerechte Höhe markiert, in der ein Verkehrsflugzeug fliegt (unterer roter Punkt mit Pfeil), sondern auch die Höhe der Internationalen Raumstation (ISS), ebenfalls in wirklichkeitsgetreuer Relation zur Erde. Die ISS fliegt in rund 400 Kilometern über der Erdoberfläche. Das Flugniveau schwankt im Verlauf von einigen Wochen in einem Bereich von ungefähr 80 Kilometern: Infolge der auch in diesem Bereich weiter vorhandenen - wenn auch nur noch sehr dünnen - Atmosphäre im Zusammenwirken mit den vergleichsweise riesigen Sonnenzellenpaddeln sowie Radiatorenauslegern der Raumstation sinkt diese langsam, aber stetig ab. Sie wird regelmäßig durch Düsenschübe wieder um einige Dutzend Kilometer angehoben. Im rechten Bild haben wir uns ein wenig weiter von der Erde entfernt und sehen nun die Erdkrümmung zwischen Tunis und Hamburg. Wieder weist der untere Pfeil auf ein Verkehrsflugzeug in normaler Flughöhe (rund 10 Kilometer), der obere Pfeil zeigt auf die ISS. Dies ist übrigens auch jener Bereich, in der irgendein anderes bemanntes Raumschiff üblicherweise die Erde umrundet (nämlich zwischen etwa 300 und, in seltenen Fällen - etwa zwecks Wartung des Hubble-Weltraumteleskops - 600 Kilometern Höhe). Man erkennt, wie ein Mensch in einem Flugzeug, das ihn in den Urlaub nach Nordafrika bringt - oder das ihn in irgendeine andere Region auf unserem Heimatplaneten transportiert-, geradezu über den Rand der Erdoberfläche durch den irdischen Luftozean kriecht. Als Faustregel gilt: Pro 5,5 Kilometer Höhe über der Erde nehmen Luftdruck und -dichte um jeweils ungefähr die Hälfte weiter ab. Somit beträgt in elf Kilometern Flughöhe die Dichte der Atmosphäre, welche die Maschine umgibt, aus deren Fenstern der Urlauber blickt, nur noch rund ein Viertel derjenigen am Boden. Düsenjets, die bis 22 Kilometer hoch aufsteigen, haben schon fünfzehn Sechzehntel der Lufthülle unter sich gelassen. Und aus dem Bullauge einer Gondel, die unter einem in 35 Kilometern Höhe schwebenden Stratosphärenballon hängt, schaut man auch tagsüber bereits in die Schwärze des Weltalls hinauf, denn man hat nur noch ein Hundertstel der Erdatmosphäre um sich. 40 Kilometer über der Erde ist die Lufthülle dann so dünn, wie sie auf dem Boden des Mars ist. Die Zusammensetzung der Atmosphäre des Roten Planeten ist allerdings eine völlig andere; Sauerstoff existiert dort nur in winzigen Spuren.
Wirkliche Erdkrümmung zwischen Hamburg und Tunis mit ISS in der Höhe Wirkliche Erdkrümmung zwischen Hamburg und Ulm mit ISS in der Höhe
Wir fahren nun fort, uns schrittweise den kosmischen Dimensionen anzunähern, ausgehend von der Erde:
Auf beiden Bildhälften sehen wir jeweils ausschnittsweise die Erdkugel (blaue Kreisfläche). Links ist ein rechtwinkliges Dreieck in den Querschnitt der Erde gelegt; die untere Spitze liegt am Mittelpunkt des Planeten. Die Seiten des Dreiecks sind mit „a“, „b“ und „c“ gekennzeichnet; der Satz des Pythagoras ist unter den blauen Kreis geschrieben, ebenso seine Umformung für die Zwecke der Berechnung, die wir vorzunehmen beabsichtigen. Auf der rechten Bildseite bezeichnet das blaue „R“ den Erdradius; das gelbe „R“ ebenso, aber dieses ist um jene Strecke - nämlich das grüne „H“ - verlängert, welche die Augenhöhe des Beobachters anzeigt. Von den Augen dieses Betrachters geht die Sichtlinie nun zum Horizont, wie er ihn sieht (die rosafarbene, mit „s“ beschriftete Linie). Wir nehmen nun an, der Mensch, der vom Strand aus auf das Meer hinausschaut, steht direkt auf dem Erdboden; seine Augen befinden sich in 1,70 Meter Höhe über diesem. Die ganz unten stehende Formel zeigt an, wie wir rechnen müssen: Zunächst addieren wir das gelbe „R“ mit dem grünen „H“: also den Erdradius von 6.371.000 Meter mit der Augenhöhe 1,70 Meter. Dies ergibt nach Adam Riese 6.371.001,70 Meter. Diesen Wert nehmen wir zum Quadrat: Das Ergebnis lautet 40.589.662.661.402,89. Nun benötigen wir noch den reinen Erdradius - das blaue „R“ in der Grafik - im Quadrat (also 6.371.000 Meter mal 6.371.000 Meter), was 40.589.641.000.000 ergibt. Diesen Wert subtrahieren wir vom ersteren: 40.589.662.661.402,89 minus 40.589.641.000.000; als Ergebnis sehen wir 21.661.402,89. Daraus ziehen wir die Quadratwurzel: Heraus kommt 4.654,1812. Für jemanden, der auf der Erde aus 1,70 Meter Höhe auf den Horizont schaut, ist dieser also 4,65 Kilometer weit entfernt. Befindet sich jemand auf einem Leuchtturm und schaut aus 50 Metern Höhe auf die weite See hinaus, so ergibt die vorstehend durchexerzierte Rechnung, dass die Horizontlinie für ihn schon 25,24 Kilometer entfernt liegt. Und wer von einem hohen Berg aus 4.000 Metern Höhe in das Land blickt, sieht den Horizont in 225,796 Kilometer weiter Distanz, wahrscheinlich allerdings von Dunst verhüllt. Selbstverständlich lässt sich die Berechnung auch für jeden beliebigen anderen Himmelskörper als die Erde durchführen; man muss eben nur darauf achten, dass man seinen Radius richtig in die Formel einsetzt: Im Falle des Mondes beispielsweise wären das 1.738.000 Meter. (Auch hier weist das graue Dreieck rechts unten neben der Grafik darauf hin, dass sie durch Anklicken vergrößert werden kann.)
Wie weit ist es bis zum Horizont?
Wie weit ist es überhaupt bis zum Horizont? Wenn man inmitten einer völlig ebenen Prärie steht, ohne Bodenwellen, Hügel oder sonstige Erhebungen im Blickfeld - oder sich am Strand aufhält und auf das schier unendliche Meer hinausschaut: wie weit reicht der Gesichtskreis? Dies hängt von der Augenhöhe des Betrachters ab, und zweitens muss natürlich der mittlere Radius der Erdkugel in Betracht gezogen werden, der 6.371 Kilometer beträgt. Mit Hilfe des Pythagoras-Satzes kann man nun die Werte berechnen:
Der rote Punkt in der Mitte symbolisiert ein Passagierflugzeug in einer maßstabsgerechten Flughöhe von 10 Kilometern.
Die wirkliche Krümmung der Erdoberfläche, hier am Beispiel der Strecke zwischen Ulm und Hamburg dargestellt. Die gelben Doppelpfeile markieren jeweils eine Distanz von 20 Kilometern über dem Erdboden.
Wirkliche, maßstabsgerechte Krümmung der Erdoberfläche
Wir wollen auf dieser Seite nun versuchen, uns schrittweise den Dimensionen des Universums zu nähern, sie in Relation zueinander zu setzen und sie zumindest ansatzweise für unsere menschliche Vorstellung begreifbar zu machen. Diese hat sich stammesgeschichtlich in mesokosmischen Verhältnissen entwickelt, in den räumlichen und zeitlichen Lebenssituationen auf der Erde, mit denen ein einzelner Organismus während der Spanne seines Daseins konfrontiert ist. Mesokosmisch bedeutet: Räumliche Größenordnungen im Bereich zwischen einigen Zehntel Millimetern und mehreren Kilometern, zwischen atomaren und kosmischen Skalen; zeitliche Größenordnungen zwischen Zehntel Sekunden und einigen Jahrzehnten. Ein Salzkorn oder Mehlstäubchen kann man betrachten, anfassen, es lässt sich unmittelbar und bildhaft anschaulich in der Vorstellung repräsentieren, ein Atom nicht - eine Strecke von vier Kilometern, die man zu Fuß während einer Stunde abschreitet, wird unmittelbar erlebt, dadurch ist sie lebendig, fassbar und konkret: die Entfernung zum Mars ist es nicht. Selbst wenn man eine Strecke, die man mit dem Auto in wenigen Minuten zurücklegt, später entlangwandert, wundert man sich, wie ausgedehnt sie in Wirklichkeit ist („Wirklichkeit“ kommt von „wirken“, nämlich auf die unmittelbare Erfahrung einwirken!). Wir gehen also von der Erde aus:
Ein Beispiel für diesen Sachverhalt ist der Text, den man auf nebenstehendem Screenshot einer Bibliotheken-Website lesen kann; er wirbt für ein Hörbuch. Hier wird die Internationale Raumstation (ISS) in den „Weiten des Weltraums“ verortet. In Wirklichkeit allerdings umrundet sie die Erde in gerade einmal etwa 400 Kilometern Höhe; mit einem Raumschiff hat man einen solchen Orbit in weniger als zehn Minuten nach dem Raketenstart erreicht. Auf die Erde gelegt, entspricht diese Distanz ungefähr der Entfernung von Berlin nach Kopenhagen (Luftlinie). Zu allem Überfluss: In einer Erdumlaufbahn sei man „den Sternen so nah“, wird in der Beschreibung des Hörbuchs weiter fabuliert. Tatsächlich ist man als Astronaut in der ISS nicht einmal dem Mond „so nah“; dieser ist rund eintausendmal weiter von der Erde entfernt als die Raumstation. Und wenn der Planet Mars die geringste Distanz zur Erde erreicht, ist er noch 146mal weiter weg als der Mond. Die nachstehenden Grafiken werden diese Verhältnisse anschaulich zeigen. (Hinweis: Ein Mausklick auf Bilder, die am rechten unteren Rand mit einem grauen Dreieck markiert sind, öffnet diese Grafiken in einem neuen Fenster oder in einem neuen Reiter in voller Qualität, insbesondere in Originalgröße, so dass sich die Details besser betrachten lassen.)
Die Distanzen, Größen und Zeitabläufe im Universum sind derartig gewaltig - im wahrsten Sinne des Wortes „unmenschlich“ -, dass die instinktiven Vorstellungen, welche die Lebewesen auf der Erde im Laufe von Milliarden Jahren in der Formpresse der natürlichen Evolution entwickelt haben, sie in keiner Weise erfassen können. Das Bild, das sich Menschen von interplanetaren oder sogar interstellaren Entfernungen und kosmischen Äonen machen, ist ein unangemessenes, winziges, in den Käfig des menschlichen Verstandes eingezwängtes Bild. Es ist angepasst an räumliche sowie zeitliche Erfahrungen, die einem ständig auf der Erde - etwa während einer Reise von einem Ort zum anderen - widerfahren. Die völlig andersgearteten kosmischen Kategorien können nicht „be-griffen“ werden; deshalb werfen die meisten Menschen die diesbezüglichen Begifflichkeiten überdies noch durcheinander.
Das Weltall - Dimensionen und Entfernungen
Kosmisches Maß und menschliche Vorstellung - Messung des Unermesslichen
Die ersten Seiten dieser Website bieten eine anschauliche Einführung in die Astronomie. Sie sind für den sternenkundlichen Anfänger bestimmt, der noch wenig über den Kosmos weiß, dem auch die Zustände und Objekte in ihm (wie zum Beispiel Galaxien, Sterne oder Planeten) nicht vertraut sind, der zudem über die entsprechenden Begrifflichkeiten, Sachverhalte und Größenordnungen kaum informiert ist. Vielleicht hat er im Internet oder Fernsehen, in einer Zeitung oder Illustrierten wieder einmal einen reißerischen Bericht gesehen oder eine sensationelle Nachricht gelesen („Zweite Erde im All entdeckt“; „Anton Mosk plant bemannte Marslandung in vier Jahren“ oder ähnliches) und ärgert sich, dass er selbst solche Meldungen weder einordnen noch bewerten kann, weil ihm das nötige Grundlagenwissen dazu fehlt. Diese Website soll dabei helfen, den Sternenhimmel gezielter, vor allem sachkundiger betrachten und in Gedanken das Universum mit wissenschaftlichem Blick und phantasievoller Vorstellungskraft durchstreifen zu können.
Arthur C. Clarke - 2001: A SPACE ODYSSEY
Aber jeder einzelne dieser Sterne ist eine Sonne, oft genug weitaus strahlender und prächtiger als das kleine, nahegelegene Gestirn, das wir DIE SONNE nennen. Und viele - möglicherweise die meisten - jener fremden Sonnen werden von eigenen Planeten umrundet. Daher ist fast sicher: Das Firmament beherbergt genug Land, um jedem einzelnen Mitglied der menschlichen Gattung, angefangen bei den ersten Affenmenschen, sein eigenes privates Himmelreich zuzuteilen, so groß wie eine ganze Welt - oder seine eigene Hölle.
Nun, das ist eine interessante Anzahl, denn infolge einer sonderbaren Fügung gibt es schätzungsweise einhundert Milliarden Sterne in unserem hiesigen Bereich des Universums, der Milchstraßengalaxie. Demnach leuchtet für jedweden Menschen, der jemals gelebt hat, in diesem Teil des Weltalls ein Stern.
Hinter jedem Menschen, der heutzutage lebt, stehen dreißig Geister, denn in diesem Verhältnis übertrifft die Zahl der Toten diejenigen der Lebenden. Seit der Morgendämmerung der Zeit sind ungefähr einhundert Milliarden menschliche Wesen über den Planeten Erde gewandelt.
ASTRONOMIE  -  Kapitel 1 - 01 nächste Seite nächste Seite
vorige Seite vorige Seite
KOSMOS im BILD